 Hilfe, mein Kerry jagt!
Es ist wohl für jeden Terrierbesitzer ein Thema. In irgendeiner Form werden wir früher oder später mit dem konfrontiert, worauf unsere Hunde vor langer Zeit mal spezialisiert wurden, mit dem Jagen. Sei es nur mit dem Kopf tief in der Erde oder beim Nachstellen von flüchtenden Tieren, Blättern oder was auch immer. Mit dem Graben läßt es sich ja noch ganz gut leben, aber was ist, wenn der Hund plötzlich auf einer Spur ist und wir keine andere Wahl mehr haben, als die nächsten Minuten oder gar Stunden in Ungewißheit über sein Schicksal zu warten und zurückzubleiben? Keine schöne Situation.
Aber auch Terrierhalter müssen dies nicht untätig hinnehmen. Auch wir können daran arbeiten, dieses unerwünschte Jagdverhalten zu kontrollieren.
Zunächst sollte sich jeder Hundehalter darüber im Klaren sein, dass das Jagdverhalten genetisch bedingt und sehr komplex ist. Jagen gehört bei allen Hunden in die unterschiedlichsten Verhaltenskreise. Es ist Bestandteil des Sexual- und Sozialverhaltens und des Nahrungserwerbs. Somit gibt es streng genommen auch keinen Hund, der nicht jagt. Die Handlungskette Jagd besteht aus vielen Verhaltensweisen, die auch alle einzeln ausgeführt werden können: Aufspüren, Nachstellen/Hetzen, Fangen/Aufspringen/Verbeißen, Töten und Fressen.
Als Hundehalter müssen wir an dem Verhalten ansetzten, was uns den meisten Ärger bereitet. Und das ist am Beginn der Handlungskette zu sehen, beim Aufspüren, Nachstellen und Hetzen. Ausgelöst wird Jagdverhalten immer durch ein Verhalten, welches ein Bedürfnis befriedigen soll (Appetenzverhalten). Bedürfnisse können hierfür Hunger oder auch nur Beschäftigung sein. Der Hund sucht also nach einem Reiz, der gezielt das Jagdverhalten auslöst (Spuren etc.), um dann die Handlungskette in Gang zu setzen und eine Befriedigung darin zu erfahren beschäftigt oder gesättigt zu sein. Da die meisten unsere Haushunde eher zu gut als zu schlecht ernährt werden ist die Langeweile die häufigste Ursache für unerwünschtes Jagen. Genau hier liegt die große Chance für Hundehalter. Wenn wir es schaffen, von Beginn an für unseren Terrier interessant zu sein und es vor allem auch zu bleiben, steigen unsere Möglichkeiten, ihn in kritischen Situationen abzurufen, um ein Vielfaches.
Ich möchte im Folgenden keine ultima ratio für jeden Terrier präsentieren. Schließlich ist jeder Hund ein Individuum und so muss auch dessen Jagdverhalten, eben weil es so komplex ist und in Einzelfällen sehr unterschiedliche Ursachen haben kann (wie auch Streßabbau), individuell beurteilt werden. Aber einige nützliche Hinweise können durchaus als universell angesehen werden.
Ein Anti-Jagd-Training muss im Prinzip aufgebaut werden wie jedes Training, welches nachhaltig manifestiert werden soll. Sie müssen für sich und Ihren Hund festlegen, was er tun soll, nicht nur, was er unterlassen soll.
Zunächst sollte das „Abrufen“ trainiert werden. Nutzen Sie dabei das Verhalten, welches der Hund von sich aus anbietet und bestärken Sie immer wieder spontanes Verhalten des Hundes. Benennen Sie das spontane Verhalten, geben Sie also unmittelbar während der Hund das Verhalten zeigt (z.B. auf Sie zugestürmt kommt) das Hör- oder Handzeichen für z.B. „Hier“. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Qualität der Bestätigung. Variieren Sie die Belohnungen so abwechslungsreich wie möglich von äußerst attraktiv (z.B. frisches Fleisch) bis hin zu eher gewöhnlich ( z.B. bekanntes Trockenfutter). Dies ist ein Schritt, mit dem Sie für ihr Tier interessant bleiben. Geben Sie dem Hund die Chance zu generalisieren, üben Sie also an möglichst vielen unterschiedlichen Orten mit verschiedenster Ablenkung. Auch das Einführen eines „Jackpotrufs“ oder „Superschlachtrufs“ empfiehlt sich für jeden Hundehalter, bei diesem Ruf und nur bei diesen Ruf (oder Pfiff), bekommt der Hund eine ganz besondere Bestätigung. Denkbar ist etwa ein besonders geliebtes Spielzeug oder eine größere Portion einer besonders schmackhaften Belohnung. Dieser Ruf darf aber nicht zu häufig trainiert werden. Um weiter zu verhindern, dass ihr Hund sich anderweitig beschäftigt nutzen Sie jeden Spaziergang, um seine Orientierung an Ihnen zu fördern. Bestärken Sie ihn, Blickkontakt zu Ihnen zu suchen und aufzunehmen, machen Sie Versteckspiele, Richtungswechsel, Kehrtwendungen und „jagen“ Sie mit Ihrem Hund gemeinsam. Möglichkeiten der gemeinsamen Jagd sind zum Beispiel Nasenarbeit, schnelle Spurts auf kurze Distanz oder Übungen mit Hindernissen. Für besonders lauffreudige Hunde empfiehlt sich zudem die körperliche Auslastung am Fahrrad oder beim Joggen. Alles dies sind schon einmal Möglichkeiten, dass der Terrier weniger aktiv auf die Suche nach Beschäftigung geht. Sollten Sie sich für ein Training mit der Schleppleine entscheiden, muss klar sein, das dies langwierig ist und immer korrekt aufgebaut sein muss, um nicht das Gegenteil von dem zu erreichen, was Sie eigentlich wollten.
Sie sollten sich hier Hilfe holen, etwa bei einem erfahrenen Trainer. Wesentlich beim Training an der Schleppleine ist die Erfolgsverhinderung. Dabei muss die Schleppleine zunächst aufgebaut werden und zwar durch das Halten der Leine. In der nächsten Phase läßt man sie schleifen und dann muss die Schleppleine wieder abgebaut werden. Gerade im zweiten Teil der Übung kommt es oft zu einer unkorrekten Ausführung.
Zusammenfassend läßt sich sagen, dass Sie bei jedem Hund, der sich stark am Halter orientiert eine sehr gute Chance haben, dass er das Abrufen vom Wild lernen kann. Am Erfolgreichsten können Sie hierbei sein, wenn Sie von der ersten Stunde an der Bindung zu Ihrem Hund arbeiten. Sollte dies versäumt worden sein, bedeutet es zwar harte Arbeit, läßt sich aber nachholen. In jedem Fall sollte jeder Terrierhalter die Herausforderung annehmen um nicht den Rest des gemeinsamen Hunde-Lebens nur durch eine Leine verbunden zu sein und nicht durch eine enge soziale Bindung. -ssk-
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